Über den Maler Sador Weinsčlucker

– oder das Künstlersein im Zeitalter der Bilderflut
Erschienen: Katalog: nachts der frühling(2016)  Von: Wayra Schübel

Es ist eine einfache Frage, welche sich durch eine einfache Antwort nicht umfassend klären lässt: Was macht eine interessante Künstlerbiografie aus? Neben Studienort, Lehrer, Preise, Stipendien sind es Informationen zum Marktwert, also in welchen Sammlungen oder durch welche Galerien sind die Künstler vertreten, die angepriesen und beworben werden.

Erstaunlicherweise entsprechen diese sehr standarisierten Lebensläufe in ihrer vorhersehbaren Geradlinigkeit nicht dem, was auf der anderen Seite von einer Künstlerpersönlichkeit erwartet wird: Einen Hang zur Extravaganz und Non-Konformismus vielleicht. Oder auch Authentizität im Sinne einer nachvollziehbaren Haltung des Künstlers zu seiner Arbeit. Radikalität und die obsessive Notwendigkeit, genau so zu arbeiten und nicht anders. Dabei kreative Überlebensstrategien zu finden, um dauerhaft frei und produktionsfähig zu bleiben, was bedeutet: Den Mut zu besitzen auch in neuen Bahnen zu denken.

Entscheidend ist jedoch nicht der Lebenslauf allein.

Die Malerei von Sador Weinsčlucker begeistert durch die Fusion von einerseits altmeisterlicher Anmutung und dennoch einem spielerischen Umgang mit technischen Phänomenen der Jetzt-Zeit. So liegen hinter der glänzenden Oberfläche seiner, in dunklen Farben gestalteten, Leinwände komplexe Bildkonstruktionen. Sie erinnern an glänzende Displays, die hinter der schimmernden, schwarzen Oberfläche geradezu Informationsgalaxien formieren.

Einige seiner Bilder wirken nicht von ungefähr wie barocke Stillleben, mit Motiven der Gegenwart: Eine Bartheke bei Nacht, die Flaschen spiegeln das künstliche Licht auf den wie leergefegten Tresen. Ausgetrunkene Biergläser, an denen leichte Schaumreste kleben, leergegessene Teller, volle Aschenbecher sind Zeugen eines geselligen Abends. Die Szenerien klingen bekannt und beschwören vor unserem geistigen Auge die Gewohnheiten der großstädtischen Nachtschwärmer und dessen besonderen Stimmung in den Bildern Sador Weinsčluckers herauf.

Es sind gerade diese Zitate aus einem bewegten Leben, manchmal hintergründig, wie in seiner Serie der „Leeren Räume“, manchmal vordergründig erahnbar, die Sador Weinsčluckers Malerei ihre Unverkennbarkeit verleihen. Die von zahlreichen Lebensläufen erzählen, die des Künstlers, seiner Freunde, jedes davon prosaischer und vielschichtiger als eine tabellarische Aufzählung geleisteter Erfolge.