Sador Weinsčlucker. Empty Places

Erschienen: ??(2016)  Von: Lisa Sintermann

In den aktuellen Arbeiten von Sador Weinsčlucker gibt es immer weniger zu sehen. Die Motive seiner Porträt- und Stilllebenmalerei sind spärlicher geworden. Kaum mehr schleicht sich ein Mensch in Weinsčluckers dunkle Kompositionen ein. Schwere Ölschichten und schimmernde Lasuren bilden leere Innenräume und nackte Wände ab. Lediglich ein Stuhl, ein Tisch, eine Tür oder ein Fenster sind zu erkennen. Und noch etwas ist ungewohnt neu. Der figurative Stil des Künstlers weicht einer abstrakten Darstellungsweise. Ein weißes Betttuch ist kaum mehr als solches zu erkennen. An die Stelle des übergeworfenen Lakens tritt ein symmetrisches Rechteck. Zeichen von Leben sind in den Bildern nicht mehr zu finden. Und auch die Zeit scheint in Weinsčluckers Malereien still zu stehen, die an die eindringlichen Interieurs des dänischen Malers Vilhelm Hammershøi erinnern. Doch je länger der Blick auf Weinsčluckers‚ leere Orte’ fällt, desto mehr Spannung entsteht. Von irgendwo her fällt Tageslicht in die unbewohnten Gebäude und sterilen Innenräume herein. Wie ein Spotlight beleuchtet helles Licht die Ecke eines Raumes, als würde dort im nächsten Augenblick jemand auftauchen. Warten. Erscheinen. Gehen.

Sador Weinsčluckers Orte sind nicht leer, sondern voller Erwartung. Es sind Übergangsorte: für unbestimmte Zeit verlassen und kurz davor, wieder mit Leben gefüllt zu werden. Bei längerer Betrachtung stellt sich eine stille Theatralik ein, die wir im Zeitalter von Bilderflut und digitalen Medien kaum mehr gewohnt sind. Weinsčluckers erzählt in seinen Bildern keine Geschichten. Nach Handlungen, Anekdoten oder Symbolen suchen wir vergebens. Vielmehr schafft der Künstler eine eindringliche Stimmung, die sich zwischen Isolation und Hoffnung, Abwesenheit und Präsenz bewegt.