Panoptikum II

Gruseln im Ballhaus
Erschienen: NRZ(1992)  Von: K.P.

Ein düsteres Panoptikum betritt der Besucher im einstigen Ballhaus, geht durch eine Folterkammer, die Weinsčlucker hier eingerichtet hat. Drastisch führt er Leid und Folter vor Augen, zeigt, was Menschen einander antun. Sein „Panoptikum II“ ist bis Sonntag im Nordpark zu erleben.

Der Mensch erregt Mitleid, ist gefesselt, hilflos und der Fassade gesellschaftlicher Attribute beraubt. So zeigt es Weinsčlucker in seinem Werk. Der Gang durch die drei Räume, der Anblick der fahlen, wie Geister wirkenden Gestalten und der Collage aus Gewaltszenen, die über Bildschirme flimmern, lassen erschauern, machen nachdenklich.

Diese unkonventionelle Kunst soll schließlich nicht der Wohnzimmerdekoration dienen – für Weinsčlucker zählt allein die Aussage. Zwar malt er klassisch in Öl, wählt aber kalte Farben und gruselige Motive. Und noch auf den Bilderrahmen erinnern blutrote Eisennägel ans Thema - zu dem auch die Computermusik von Tommi Stumpff passt.

Die Klänge unterstreichen das optische Grauen wirkungsvoll und sorgen dafür, dass der Betrachter sich auch wirklich mit allen Sinnen dem „Panoptikum“ stellt. Leid und Leere des Lebens stellt Weinsčlucker dar – den Ausweg aus dieser Situation muss der Betrachter selbst finden.